„Nikotin verursacht Krebs und ist das Schädliche an der Zigarette!" – so lautet einer der verbreitetsten Irrtümer rund ums Rauchen und Dampfen. Was sagen die zuständigen Behörden und die Forschung dazu?
Wie wird Nikotin offiziell eingestuft?
Nikotin ist im EU-Recht nicht als krebserregend eingestuft. Für die Klassifizierung von Stoffen nach ihrer Karzinogenität ist seit 2006 die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) zuständig – eine entsprechende Einstufung von Nikotin gibt es nicht. Auch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Agentur der Weltgesundheitsorganisation, stellt in ihrem Europäischen Kodex zur Krebsbekämpfung klar, dass Nikotin keinen Krebs verursacht.
Nikotin ist ein Stoff, der abhängig macht – die krebserregenden Substanzen der Tabakzigarette wie Arsen, Blei, Cadmium, Formaldehyd, Benzol oder Nitrosamine entstehen jedoch bei der Verbrennung des Tabaks, nicht durch das Nikotin selbst.
Krebsrisiko: E-Zigarette und Tabakzigarette im Vergleich
Stephens et al. (2018) verglichen im Fachjournal Tobacco Control die Krebspotenz der Emissionen verdampfter Nikotinprodukte mit der von Tabakrauch. Das Ergebnis der Modellrechnung: Das lebenslange Krebsrisiko von E-Zigaretten-Nutzern liegt bei etwa 0,4 % des Risikos von Rauchern. Zur Einordnung auch hier: Im Tabakrauch sind mehr als 4.800 Verbindungen nachgewiesen, rund 70 davon gelten als krebserregend – die Grundbestandteile eines Liquids sind dagegen nicht als krebserregend eingestuft.
Wie giftig ist Nikotin wirklich?
In reiner Form ist Nikotin akut giftig – seine Toxizität wird allerdings häufig überschätzt. Lange hielt sich die Behauptung, ein einziger Tropfen puren Nikotins sei tödlich. Diese Aussage geht auf Selbstversuche aus dem 19. Jahrhundert zurück. Der Toxikologe Bernd Mayer (2014) hat diese historischen Werte überprüft: Die für den Menschen gefährliche Menge liegt demnach deutlich höher, bei etwa 0,5 bis 1 Gramm. In der EU zugelassene Liquids enthalten maximal 20 mg Nikotin pro Milliliter und werden in kindersicheren 10-ml-Behältern verkauft – eine ganze Flasche mit der höchsten zulässigen Stärke enthält also 200 mg (0,2 Gramm) Nikotin.
Referenzen
- Mayer, B. (2014): How much nicotine kills a human?
- Stephens, W. E. (2018): Comparing the cancer potencies of emissions from vapourised nicotine products, Tobacco Control
- Cancer Research UK: Is vaping harmful?
- Internationale Agentur für Krebsforschung: Europäischer Kodex zur Krebsbekämpfung – Does nicotine cause cancer?
- Europäisches Parlament und Rat: Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP-Verordnung)
Über den Autor: Kevin Lippert ist Gründer von e-Rauchershop und seit 2010 in der Dampfer-Szene aktiv. Mit seinem Team berät er in drei fränkischen Fachgeschäften täglich Umsteiger und erfahrene Dampfer.
Zuletzt inhaltlich geprüft: Juli 2026. Dieser Beitrag fasst die zitierten Studien und Stellungnahmen zusammen und ersetzt keine medizinische Beratung.